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Tabakentwöhnungsbehandlung: Gegen den blauen Dunst im Christophsheim


Können chronisch psychisch Kranke erfolgreich vom Rauchen entwöhnt werden? Unter der Leitung von Privat-Dozent Dr. med. Leopold Hermle, ehemaliger Ärztlicher Direktor des Christophsbads, untersuchte dies Dr. med. Christiane Bessey mit Bewohnern des Christophsheims für ihre Doktorarbeit. Die Ergebnisse der weltweit ersten Studie zu diesem Thema mit dem Titel "Tabakentwöhnungsbehandlung bei Heimbewohnern mit schweren psychischen Störungen" präsentierten Dr. Hermle und Dr. Bessey am 28. Februar im Herrensaal.

In den USA wird fast jede zweite Zigarette (44,3 Prozent) von Personen mit einer psychiatrischen Erkrankung geraucht. Während das Bewusstsein über die Bedeutung des Rauchstopps von Personen mit psychischen Erkrankungen wächst, fehlten bisher Informationen über die Tabakentwöhnungsbehandlung bei Menschen mit schweren psychischen Störungen.

Erstmals wurde nun eine Studie mit Heimbewohnern durchgeführt. Die Teilnahme war freiwillig. "Im Christophsheim sind mehr als die Hälfte der Bewohner Raucher, dies ergab der Raucherstatus zu Beginn", erklärte Dr. Hermle. Vier von 21 Untersuchungsteilnehmernmit einer chronischen psychischen Krankheit haben auch sechs Monate nach dem Ende der Therapie nicht wieder zum Glimmstängel gegriffen. Das ist kein schlechter Wert. Bei Menschen ohne chronisch-psychische Erkrankung ist die Erfolgsquote bei einer vergleichbaren Therapie nur geringfügig höher. Die vier Bewohner im Alter zwischen 26 und 64 Jahren nahmen das Angebot einer verhaltenstherapeutischen Tabakentwöhnung in Kombination mit dem Medikament "Vareniclin" oder Nikotinersatz an.

Intervention, Befindlichkeit und Nebenwirkungen sowie Kohlenmonoxidkonzentrationen in der Ausatemluft wurden bei den Probanden während der 26 Kurswochen der Tabakentwöhnung und des dreimonatigen Nachbeobachtungszeitraumes erfasst und ausgewertet. Die Heimbewohner erhielten wöchentliche Psychoedukation, Motivationsunterstützung und Hilfe beim Umgang mit Rückfällen. Durch die Messung der Kohlenmonoxidkonzentrationen in der Ausatemluft wurde eine objektive Kontrolle der tatsächlich gerauchten Zigaretten ermöglicht. "Zwischen den Bewohnern entbrannte ein regelrechter Wettbewerb", erinnert sich Dr. Bessey schmunzelnd.

Das Projekt wurde im August 2018 abgeschlossen. Neben Raucherstatus und Rauchercharakteristika wurden die Stärke der Nikotinabhängigkeit (FTND), die Motivation zur Abstinenz (Motivationsfragebogen), das Rauchverlangen (QSU-b), der Grad der Depressivität (BDI) und die Entzugssymptomatik (MNWS-revised) erhoben. Nenad Vasić, Ärztlicher Direktor des Klinikums Christophsbad und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, und Kay Uwe Petersen sowie Anil Batra der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung der Tübinger Universitätsklinikfür Psychiatrie und Psychotherapie unterstützen die Studie.

In den Raucherzimmern des Christophsheims wurde zudem die Kohlenmonoxid-Konzentration gemessen. Das Ergebnis sowie zwei Schwelbrände aufgrund von Zigaretten führten dazu, dass nun Raucherpavillons vor den Wohnbereichen aufgestellt wurden. Diese sollen nach und nach die Raucherzimmer ersetzen. "Weder im Neubau noch in den umgebauten alten Gebäuden des Christophsheims wird es in Zukunft Raucherzimmer geben. Bisher haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, die Raucherzimmer – auch auf Wunsch der Bewohner – nur noch stundenweise zu öffnen", erklärte Heimleiterin Dagmar Jungblut-Rassl.


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